Was solltest du aus einer Heuanalyse lesen können?
Der August bringt viele Veränderungen in der Pferdefütterung mit sich. Auch wenn die Weidesaison noch läuft, lohnt es sich bereits jetzt, die kommende Stallfütterungszeit zu durchdenken.
Heu ist die wichtigste Nährstoffquelle für Pferde. Das Aussehen erzählt aber nicht die ganze Geschichte – Heu, das gut aussieht, kann trotzdem nährstoffarm sein. Eine Heuanalyse zeigt, was das Heu wirklich enthält. Mit Hilfe der Analyse lässt sich die Fütterung genauer planen und bei Bedarf ergänzen.
Die wichtigsten Heuwerte und was sie bedeuten

Wie beeinflussen die Werte die Fütterung und wie solltest du sie deuten?
1. Trockensubstanz
Bestimmt, wie viel Heu das Pferd auf Trockensubstanzbasis braucht (kg/Tag).
Trockenes Heu hat ein größeres Volumen als Silage, weil es weniger Wasser enthält.
2. D-Wert
Hoher D-Wert → energiereiches Heu, geeignet für Arbeits- und Jungpferde.
Niedriger D-Wert → energiearmes Heu, geeignet für übergewichtige Pferde, aber zu niedrige Werte (<55%) können zu Nährstoffmängeln führen.
3. Rohprotein
Ausreichend Protein unterstützt Muskelaufbau und Stoffwechsel.
Bei zu niedrigen Werten braucht das Pferd eine Proteinergänzung.
4. Zucker
Hoher Zuckergehalt kann für hufrehe- oder fettleibigkeitsgefährdete Pferde riskant sein.
Bei Bedarf kann Heu gewässert werden, um den Zuckergehalt zu senken.
5. Rohfaser (NDF)
Sorgt für Sättigung und unterstützt die Darmfunktion.
Viel Rohfaser passt zu übergewichtigen Pferden, aber zu grobes Heu kann schwer verdaulich sein.
Wie ist gutes Heu? – Zielwerte
Arbeits- und Sportpferde:
• D-Wert: 68–72%
• Rohprotein: 75–90 g/kg TS
• Zucker: <120 g/kg TS
• Rohfaser (NDF): 500–600 g/kg TS
Leichte Arbeit / Erhaltungsbedarf:
• D-Wert: 60–68%
• Rohprotein: 60–75 g/kg TS
• Zucker: <100–110 g/kg TS
• Rohfaser: 550–650 g/kg TS
Hufrehe-gefährdete / leichtfuttrige Pferde:
• D-Wert: 58–65%
• Rohprotein: 60–70 g/kg TS
• Zucker: <100 g/kg TS (vorzugsweise <80 g/kg TS)
• Rohfaser: >600 g/kg TS
Heu für leichtfuttrige Pferde
- Ein niedrigerer D-Wert liefert weniger Energie und das Pferd kann mehr fressen, ohne zuzunehmen.
- Hält das Pferd satt und unterstützt die Darmfunktion.
- Zu niedrige D-Werte (<55%) sind jedoch wegen schlechter Verdaulichkeit und unzureichender Nährstoffe nicht empfehlenswert.
- Ergänze nur nach Bedarf (Protein, Mineralstoffe, Vitamine).
Stelle die Futterration immer langsam um, damit sich das Verdauungssystem des Pferdes anpassen kann.
Quellen (Finnland):
- Luke – Futtertabellen und Fütterungsempfehlungen für Pferde
- Hevostietokeskus ry – Pferdefütterungsleitfaden
- Suomen Hippos ry – Publikationen zu Pferdefütterung und Tierwohl
- Universität Helsinki, Veterinärmedizinische Fakultät – Pferdeernährung
Internationale Quellen:
- NRC (National Research Council) – Nutrient Requirements of Horses, 6th Revised Edition
- The Horse Magazine - Fachartikel zu Pferderverdauung und Nährwerten von Futtermitteln
- Kentucky Equine Research
(KER) - Forschung und praktische Informationen zu Heuanalyse und Pferdefütterung
- British Horse Society
(BHS) - Prinzipien der Pferdefütterung und Heubewertung
- Feed Advisory Board (UK) - Richtlinien zur Interpretation von Heu- und Silageanalysen
