Welche Inhaltsstoffe enthalten Futtermittel wirklich – und warum?
Wie oft – und wie genau – liest du die Inhaltsstoff- und Zusammensetzungsangaben der Futtermittel, die du deinem Pferd gibst? Für Besitzer von Pferden mit Allergien ist das oft Teil der täglichen Routine, doch viele andere verlassen sich in erster Linie auf Werbeversprechen wie niedriger Stärkegehalt, hoher Fasergehalt oder hoher Vitamingehalt. Die Qualität und tatsächliche Zusammensetzung von Pferdefutter Inhaltsstoffe kann jedoch erheblich variieren, selbst zwischen Produkten, die für nahezu identische Zwecke entwickelt wurden.
Beträchtliche Unterschiede können selbst dann bestehen, wenn die Zutatenlisten auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen – zum Beispiel wenn beide Vitamin E, Vitamin C, Kupfer, Eisen oder Zink auflisten. Warum passiert das, und wie können sich diese Inhaltsstoffe trotz des gleichen Namens auf dem Etikett tatsächlich voneinander unterscheiden?
Informationen auf dem Produktetikett prüfen und identifizieren
Pferdefutter sollte so ausgewählt werden, dass das Pferd die Nährstoffe erhält, die es wirklich braucht, und zwar in einer Form, die der Körper effizient verwerten kann.
Einer der entscheidendsten Faktoren bei der Futterformulierung ist oft der Preis. Die Futtermittelindustrie zielt darauf ab, Produkte erschwinglich, konkurrenzfähig und attraktiv für Verbraucher zu halten. Das führt unweigerlich zu Kompromissen bei der Auswahl der Zutaten. Natürliche Vitamine und Mineralien sind teure Rohstoffe, weshalb industriell hergestellte (und billigere) Versionen weit verbreitet sind, besonders in der Tierernährung.
Der Markt enthält eine große Anzahl von Produkten, deren Inhaltsstoffe industrielle Kopien natürlicher Nährstoffe sind. Diese synthetischen Versionen werden vom Körper möglicherweise nicht genauso verwertet wie natürlich vorkommende Nährstoffe. Das antioxidative Vitamin C – wichtig für die Gelenkfunktion – kann beispielsweise auf einem Etikett als D-Ascorbinsäure, Vitamin C oder als natürliche Quelle wie Hagebutte erscheinen. Chemisch produzierte Vitamine werden immer als "naturidentisch" beschrieben, sind aber nicht ernährungsphysiologisch identisch in Bezug auf Absorption und Verwertung. Aufgrund schwächerer Bioverfügbarkeit sind oft viel größere Mengen erforderlich.
Der Körper des Pferdes verwertet Nährstoffe am effektivsten in der Form, in der sie natürlich vorkommen. Produktetiketten sind daher ein wichtiger Ort, um Herkunft und Qualität der Zutaten zu beurteilen, aber ihre Interpretation erfordert oft Hintergrundwissen und Vertrautheit mit der Terminologie.
D-Alpha-Tocopherol vs. dl-Alpha-Tocopherol
Ein klares Beispiel für diesen Unterschied zeigt sich bei Vitamin E. Natürliches Vitamin E ist als d-Alpha-Tocopherol gekennzeichnet, während synthetisches Vitamin E als dl-Alpha-Tocopherol bezeichnet wird. Ähnlich erscheint synthetisches Vitamin C als Ascorbinsäure, während natürliches Vitamin C aus Quellen wie Hagebutte oder Sanddornpulver stammen kann.
Organische oder natürliche Ergänzungsmittel sind am einfachsten zu identifizieren, wenn die Zutatenliste klar die Rohstoffe benennt, aus denen sie stammen – zum Beispiel Hagebutte, Brennnessel, Spirulina oder chelatiertes Zink. Wenn die Zutatenliste hauptsächlich aus isolierten Vitaminen und Mineralien wie Kupfer, Eisen, Zink, Vitamin A oder Vitamin E besteht, ist das Produkt sehr wahrscheinlich synthetisch.
Viele Futtermittel enthalten sowohl organische als auch anorganische Formen, oft aber nur einen kleinen Anteil der teureren natürlichen Version. Das Marketing kann Phrasen wie "enthält natürliche Inhaltsstoffe" oder "enthält auch natürliche..." hervorheben, selbst wenn der Großteil der Formulierung industriell ist. Der Grad der Natürlichkeit lässt sich oft am einfachsten beurteilen, indem man sowohl den Preis als auch die empfohlene Fütterungsrate betrachtet: Ein niedriger Preis kombiniert mit einer hohen Dosierungsanforderung deutet normalerweise auf ein industrielles Produkt hin.
Der Unterschied in der Bioverfügbarkeit zwischen natürlichen und synthetischen Nährstoffen liegt darin, dass synthetische Vitamine isolierte Verbindungen sind, denen unterstützende Co-Faktoren fehlen. Viele industrielle Ergänzungsmittel enthalten große Mengen an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien, aber es fehlen Enzyme oder andere Verbindungen, die Absorption und Verwertung unterstützen würden. Natürliche Nährstoffe enthalten alle Verbindungen, die für eine effektive Absorption erforderlich sind. In der Natur sind Vitamine und Mineralien an Proteine, Flavonoide oder Kohlenhydrate gebunden, was dem Körper ermöglicht, sie zu erkennen und effizient zu absorbieren.
Brennnessel enthält zum Beispiel natürlich Eisen, aber auch Vitamin C und Folat, die die Eisenabsorption unterstützen. Chelatierte Mineralien reduzieren auch das Risiko einer Überdosierung und sind daher sicherer in der Anwendung.
Pellets, Pulver und Flocken
Viele Futtermittel werden in Pelletform verkauft. Das ist nicht von Natur aus problematisch, aber Produktetiketten sollten trotzdem sorgfältig gelesen werden. Pellets können leicht zusätzliche Substanzen enthalten, die über das hinausgehen, wofür das Produkt beworben wird. Es ist auch technisch einfach, billigere Zutaten in eine Pelletmischung einzuarbeiten.
Die Pelletierung erfordert fast immer ein Bindemittel, um das Pellet zusammenzuhalten. Reine, nicht pelletierte Zutaten sind immer vollständig sichtbar und identifizierbar. Strukturell intakte Futterkomponenten regen das Kauen an, was wiederum die Speichelproduktion anregt und die Verdauung unterstützt.
Füllstoffe oder Rohzutaten?
Neben der organischen versus anorganischen Herkunft ist es wichtig, die Liste der Füllstoffe und Zusatzstoffe zu untersuchen. Häufige Füllstoffe sind Maltodextrin, Glukose, Melasse, Calciumcarbonat, Futterhefe, Sojaprotein
