Die Verdauung des Pferdes basiert auf einer umfangreichen und empfindlichen mikrobiellen Fermentation, bei der die effiziente Nutzung von Rohfasern besonders wichtig ist. Genau deshalb werden Hefen und hefebasierte Produkte schon lange in der Pferdernährung eingesetzt – und deshalb wurden sie auch intensiv erforscht. Laut Forschung hängt das Interesse an Hefen damit zusammen, dass sie helfen, Darmbedingungen zu schaffen, unter denen Rohfasern so effizient wie möglich verwertet werden können. In diesem Artikel werden Hefen praktisch betrachtet: was sie sind, warum sie verwendet werden und was die Forschung herausgefunden hat.
Was versteht man unter Hefen in der Pferdernährung?
In der Pferdernährung basieren verwendete Hefen meist auf Saccharomyces cerevisiae Hefestämmen. Sie können sein:
- lebende Hefen
- Hefekulturen
- hefebasierte Produkte
Hefen ersetzen nicht die körpereigene Darmflora des Pferdes. Stattdessen beeinflussen sie die Bedingungen, unter denen die Darmmikroben arbeiten.
Einfach gesagt: Hefen übernehmen nicht die Verdauung für das Pferd. Sie helfen dem Darm, unter günstigeren Bedingungen zu arbeiten.
Hefen und Rohfaserverwertung – warum ist das wichtig?
Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Verwendung von Hefeprodukten mit einer effizienteren Rohfaserfermentation, besserer Rohfaserverdaulichkeit und der Aktivität der mikrobiellen Fermentation im Dickdarm verbunden ist.
Praktisch bedeutet das, dass das Futter nicht einfach durch das Pferd hindurchgeht. Stattdessen werden Rohfasern im Verdauungsprozess des Pferdes besser verwertet.
In Studien zeigen sich die Effekte von Hefen speziell darin, wie gut ein rohfaserbasiertes Fütterungsprogramm funktioniert, nicht in der Aufnahme einzelner Nährstoffe.
Einfluss auf die Verdauungsumgebung – "Arbeitsbedingungen" im Darm
Damit Darmmikroben Rohfasern effizient abbauen können, müssen die Bedingungen im Dickdarm geeignet sein. In der Forschung wurden Hefen besonders mit folgenden Punkten in Verbindung gebracht:
- Aufrechterhaltung einer sauerstoffarmen Umgebung im Dickdarm
- Beständigkeit und Stabilität der Fermentation
- Unterstützung der Arbeitsbedingungen von Mikroben
Anders gesagt helfen Hefen dabei, die Arbeitsumgebung des Darms ruhig und funktional zu halten, was eine Voraussetzung für normale mikrobielle Fermentation ist.
Glade (1991) und spätere Studien haben gezeigt, dass der Einsatz von Hefen mit der gesamten Fütterungseffizienz verbunden ist, wenn die Funktion des gesamten Verdauungstrakts betrachtet wird.
Hefen und Dickdarmfermentation
Der Dickdarm ist das Zentrum der Pferdeverdauung. Laut Forschung sind Hefen mit der mikrobiellen Aktivität im Dickdarm verbunden, sie beteiligen sich an der Regulierung der Fermentation und beeinflussen die Effizienz des Rohfaserabbaus.
Graham-Thiers & Bowen (2011) zeigten, dass Hefeergänzung Parameter der Rohfaserverdaulichkeit verbessern kann. Das unterstreicht die Rolle von Hefen als Teil einer ausgewogenen, gut funktionierenden Gesamtfütterungsstrategie.
Hefeprodukte, MOS und Beta-Glucane – was bedeutet das in der Praxis?
Einige Hefeprodukte enthalten Verbindungen, die aus der Hefezellwand stammen, wie:
- Mannan-Oligosaccharide (MOS)
- Beta-Glucan-Ketten
Das sind keine lebenden Mikroben. Es sind faserähnliche Strukturen, die den Verdauungstrakt durchlaufen und mit der Darmumgebung interagieren.
In Studien:
MOS-Verbindungen wurden aufgrund ihrer Rolle bei Wechselwirkungen zwischen Bakterien und dem Darm untersucht
Beta-Glucane sind als strukturelle Kohlenhydrate bekannt, die der Körper biologisch erkennt
Diese Verbindungen werden als Teil eines ernährungsphysiologischen Ganzen betrachtet, nicht als medizinische Substanzen.
Zusammenfassung – warum werden Hefen in der Pferdernährung verwendet?
Basierend auf der Forschung ist die Verwendung von Hefen Pferdernährung besonders damit verbunden, dass sie:
- die effiziente Verwertung von Rohfasern unterstützen
- normale mikrobielle Fermentation im Dickdarm fördern
- helfen, Stabilität in der Darmumgebung aufrechtzuerhalten
- Teil eines funktionalen und langfristigen Fütterungsansatzes sind
Hefen sind keine schnelle Lösung. Sie sind Teil einer Ernährungsstrategie, die darauf abzielt, normale, ausgewogene Verdauungsfunktionen beim Pferd zu unterstützen.
Literaturverzeichnis
- Glade, M. J. (1991). Yeast culture supplementation improves feed digestibility and performance in horses.
- Medina, M. et al. (2002). Effect of yeast culture supplementation on digestion in horses.
- Graham-Thiers, P. & Bowen, L. (2011). Impact of yeast supplementation on fiber digestibility in horses.
- Respondek, F. et al. (2008). Prebiotic potential of yeast-derived products in horses.
- Wagner, A. et al. (2015). Effects of prebiotics and yeast products on equine gastrointestinal health.
