Kalkalgen und der Pferdemagen – Was haben Studien herausgefunden?
Der Pferdemagen arbeitet kontinuierlich in einer sauren Umgebung. Anders als viele andere Tiere produziert das Pferd rund um die Uhr Magensäure – unabhängig davon, ob sich Futter im Magen befindet oder nicht. Das macht die Magenschleimhaut besonders empfindlich, vor allem wenn sich die Fütterungsintervalle verlängern, die Arbeitsbelastung steigt oder Stress anhält. Aus diesem Grund sind Magengeschwüre beim Pferd schon lange Gegenstand der Forschung. Auch die Rolle der Fütterung in der Magenphysiologie wurde untersucht.
Kalkalgen – also kalziumreiche Meeresalgen – sind in dieser Forschung speziell aus ernährungsphysiologischer Sicht in den Fokus gerückt. Sie sind weder ein Medikament noch ein Hemmer der Magensäureproduktion. Stattdessen sind sie eine natürliche Mineralquelle, deren Bedeutung mit der Magensäurebelastung und der Pufferwirkung des Mageninhalts zusammenhängt.
Der Magen und die Säurebelastung – Warum spielt Kalzium eine Rolle?
Magensäure ist für die Verdauung wichtig. Bei Pferden entsteht das Problem jedoch, wenn die Säure über längere Zeit mit den empfindlicheren Bereichen der Magenschleimhaut in Kontakt steht. Studien haben gezeigt, dass die Zusammensetzung der Nahrung – besonders der Mineralstoffgehalt und die Raufuttermenge – beeinflusst, wie sich die Säure im Magen verhält.
Kalzium ist als natürlicher Puffer gegen Säure bekannt. Es entfernt keine Säure, kann sie aber binden und die Magensäure zeitweise ausgleichen. Deshalb wurden Futterkomponenten mit hohem Kalziumgehalt als Teil einer magenfreundlichen Fütterung erforscht.
Kalkalgen unterscheiden sich von gewöhnlichem Kalkstein dadurch, dass sie biologisch entstanden, porös und langsamer löslich im Verdauungstrakt sind. Das macht sie besonders interessant für den Pferdemagen, wo plötzliche Veränderungen unerwünscht sind.
Was wurde über Kalkalgen beim Pferd erforscht?
In der Studie „The influence of feeding a high calcium, algae supplement on gastric ulceration in adult horses" untersuchten Forscher, wie sich die Fütterung eines kalziumreichen Algenzusatzes auf die Magenschleimhaut erwachsener Pferde auswirkt. Die Studie basierte auf endoskopischen Beobachtungen und konzentrierte sich speziell auf den Zustand der Magenschleimhaut statt auf klinische Symptome.
Die Studie ergab, dass Pferde, deren Futter einen kalziumreichen Algenzusatz enthielt, weniger und mildere Magenschleimhautschäden aufwiesen als die Kontrollgruppe. Die Beobachtung galt besonders für die empfindlicheren Magenbereiche, die anfällig für säurebedingte Belastungen sind.
Die Studie bewertete Kalkalgen nicht als Behandlung für Geschwüre, sondern als Teil einer Fütterung, die das saure Milieu des Magens und die Schleimhautbelastung beeinflusst. Der Wirkungsmechanismus war wahrscheinlich mit der puffernden Wirkung von Kalzium und der langsamen Auflösung der Algen im Magen verbunden.
Allerdings beruht die pH-ausgleichende Wirkung von Kalkalgen im Magen nicht nur auf Kalzium. Kalzium (Ca²⁺) selbst erhöht nicht den pH-Wert – die Wirkung entsteht durch die in den Algen enthaltenen Karbonat- und Magnesiumverbindungen, die als Puffer in saurer Umgebung wirken. Es geht also nicht einfach um „Kalzium", sondern um karbonatbasierte Neutralisationskapazität.
Wie unterscheidet sich das vom Pektin-Lezithin-Ansatz?
Die Forschung zu Kalkalgen ergänzt die Pektin-Lezithin-Forschung gut, aber der Ansatz ist anders. Während Pektin und Lezithin hauptsächlich die Struktur des Mageninhalts und die Oberflächenstruktur der Schleimhaut beeinflussen, richtet sich die Wirkung von Kalkalgen auf die Säurebelastung und die Pufferwirkung des Mageninhalts.
Gemeinsam ist beiden Forschungsrichtungen, dass sie die Widerstandsfähigkeit der Magenschleimhaut aus ernährungsphysiologischer Sicht untersuchen. Es geht nicht um die Unterdrückung der Säureproduktion oder medikamentöse Therapie. Es geht darum, wie die Fütterung die normale Magenphysiologie unter Bedingungen unterstützen kann, bei denen die Säurebelastung kontinuierlich ist.
Wie wird dieses Wissen in der Praxis interpretiert?
Basierend auf der Forschung werden Kalkalgen als Teil einer Fütterungsstrategie betrachtet, besonders in Situationen, in denen der Pferdemagen belastet ist. Solche Situationen umfassen hartes Training, Wettkampfzeiten, Stress, unregelmäßige Fütterungszeiten oder geringe Raufutteraufnahme.
Die Bedeutung von Kalkalgen beruht nicht auf einer „aktiven" pharmakologischen Wirkung, sondern auf ihrer Mineralzusammensetzung und Struktur. Langsam lösliches Kalzium kann helfen, das Magensäuremilieu auszugleichen und die ständige Schleimhautbelastung durch Säurestress zu verringern. Deshalb gelten sie als interessante Option für magenfreundliche Fütterung als Teil einer breiteren Gesamtstrategie.
Literatur
- The influence of feeding a high calcium, algae supplement on gastric ulceration in adult horses
- Venner, M., Lauffs, S., Deegen, E. (1999). Treatment of gastric lesions in horses. Equine Veterinary Journal Supplement.
- Sanz, M. G. et al. (2014). Gastric ulceration in horses. Veterinary Record.
