Pferde Vitamine: natürlich oder industriell?
Pferde brauchen viele Vitamine
Immer wieder entstehen Diskussionen über Pferde Vitamine in der Pferdefütterung – ihre Mengen, Qualität und angemessene Aufnahme. Pferde erhalten Vitamine aus ihrer natürlichen Nahrung, aber Vitamine sind auch in Alleinfuttermitteln und Ergänzungsfuttermitteln, Mineralstoffen, Vitaminpräparaten, Spurenelement-Futtermitteln, Eiweißfuttermitteln, Energielieferanten, Lecksteinen und vielen anderen Produkten enthalten. Beeren, Wurzelgemüse, Samen und Kräuter, die an Pferde verfüttert werden, enthalten ebenfalls Vitamine. Fehler bei der Vitaminversorgung entstehen oft durch übermäßigen Einsatz von Vitaminpräparaten oder durch minderwertiges Futter. Bei der Fütterung solltest du besonders auf die Gefahr einer Überdosierung fettlöslicher Vitamine achten, wenn synthetische Produkte verwendet werden. Warum das so ist, erklären wir dir im Detail.
Ein Pferd braucht viele verschiedene Nährstoffe für den Körperaufbau, lebenswichtige Funktionen und Bewegung. Vitamine sind einer dieser Nährstoffe, und jedes Vitamin hat wichtige Aufgaben im Pferdekörper.
Manche Vitamine können im Futter in inaktiver Form vorliegen und werden erst im Körper aktiv. In Pflanzen, dem natürlichen Futter des Pferdes, kommen Vitamine immer als Vorstufen vor. Diese Vorstufen werden im Pferdekörper nur dann zu Vitaminen umgewandelt, wenn ein Mangel besteht. Synthetische Vitamine werden dagegen immer vollständig im Verdauungstrakt aufgenommen, anders als Vorstufen, von denen nur die benötigte Menge in aktive Vitamine umgewandelt wird.
Vitaminaufnahme und Körperspeicher
Vitamine werden in wasserlösliche und fettlösliche Vitamine unterteilt. Zu den fettlöslichen Vitaminen gehören die Vitamine A, D, E und K. Von diesen verursacht eine übermäßige Aufnahme der Vitamine A und D am häufigsten Probleme, da sie sich im Körper ansammeln. In Finnland haben Pferde am häufigsten Mangel an fettlöslichen Vitaminen, besonders an Vitamin D, das für die Knochenentwicklung bei Fohlen extrem wichtig ist. Vitamin E verursacht trotz seiner Fettlöslichkeit selbst bei hohen Dosen keine deutlichen Vergiftungserscheinungen. Bei Bedarf kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine durch die gleichzeitige Fütterung von Pflanzenölen verbessert werden.
Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören die B-Vitamine und Vitamin C. Diese sammeln sich nicht nennenswert im Körper an und müssen daher täglich zugeführt werden. Pferde produzieren diese Vitamine auch selbst über Darmbakterien. Eine übermäßige Aufnahme wasserlöslicher Vitamine, selbst aus synthetischen Futtermitteln, verursacht normalerweise keine schädlichen Wirkungen, da sie nicht in großen Mengen gespeichert werden wie fettlösliche Vitamine.
Verschiedene Vitamine verhalten sich unterschiedlich im Körper. Das Verhalten des wasserlöslichen Vitamin C ist besonders gut erforscht. Wenn die Aufnahme den Bedarf übersteigt, nimmt die Aufnahme aus dem Darm ab. Etwa 100 mg Vitamin C aus der Nahrung werden fast vollständig aufgenommen, aber nur die Hälfte einer zehnfachen Menge wird aufgenommen, und nur 10–20% einer hundertfachen Dosis.
Damit eine übermäßige Vitaminaufnahme zu einem echten Gesundheitsrisiko wird, müssen die Mengen weit über den empfohlenen Werten liegen. Viel häufiger entsteht ein Vitaminmangel. Trotzdem ist es am sichersten, alle Vitamine nur in moderaten Mengen entsprechend den Empfehlungen zu verabreichen.
Natürliches Pferdefutter enthält Vitaminvorstufen
Das natürlichste Futter des Pferdes, frisches Gras, enthält reichlich Vorstufen der Vitamine A, D, E und K. Die Vorstufe von Vitamin A ist zum Beispiel Beta-Carotin. Die Effizienz der Umwandlung in aktive Vitamine hängt mit den vorhandenen Vitaminspeichern des Körpers zusammen. Wenn die fettlöslichen Vitaminspeicher bereits hoch sind, werden weniger Vitamine aus Vorstufen produziert, und überschüssige Vorstufen werden über den Urin ausgeschieden. Daher ist eine hohe Aufnahme von Vorstufen nicht schädlich. Eine Überdosierung fettlöslicher Vitamine hängt hauptsächlich mit der Verwendung industrieller Vitaminpräparate zusammen. Eine übermäßige Vitamin-A-Aufnahme ist zum Beispiel bei der Verwendung spezieller Vitaminprodukte möglich, nicht aber allein durch natürliches Futter. Ebenso tritt eine Vitamin-D-Überdosis nicht durch Futter auf, sondern durch Nahrungsergänzungsmittel.
Achte besonders auf Vitamine während der Stallsaison
Während der Stallsaison und bei Pferden ohne Weidegang erfordert die Vitaminversorgung mehr Aufmerksamkeit. Eine Ergänzung ist normalerweise bei schwer arbeitenden Pferden, Zuchtstuten und Fohlen notwendig. Schwere Arbeit erschöpft die Vitaminspeicher schneller, als sie durch das Grundfutter wieder aufgefüllt werden können. Verdauungsstörungen, Antibiotikabehandlungen, Stress und kraftfutterreiche Rationen erhöhen ebenfalls den Vitaminbedarf. Als Faustregel gilt: Pferde, die mindestens 2–3 Stunden täglich weiden, haben den geringsten Bedarf an Vitaminergänzungen, während Sportpferde, Zuchtstuten und wachsende Fohlen während der Stallsaison den höchsten Bedarf haben.
Für tragende Stuten ist eine ausreichende Aufnahme der Vitamine A, D und E wichtig, ebenso wie B-Vitamine. Für Sportpferde ist Vitamin E besonders wichtig für die Muskelfunktion, Energieproduktion und Sauerstoffverwertung. Es schützt den Pferdekörper vor belastungsbedingtem Stress, fördert die Erholung und stärkt die Immunität. Sportpferde erleben viele Stresssituationen, die die Verwertung wasserlöslicher Vitamine beeinträchtigen können. Pferde benötigen B-Vitamine für die Energieproduktion, Nervensystemfunktion, den Stoffwechsel und die Muskelerhaltung. Grüne Pflanzen sind reich an Folat, einem B-Vitamin, das in industriellen Nahrungsergänzungsmitt
