In gemäßigten und kalten Regionen wie Finnland und den anderen nordischen Ländern wechseln Pferde ihr Fell zweimal im Jahr – einmal im Herbst und wieder im Frühjahr. Viele Pferdebesitzer bemerken den beginnenden Frühjahrsfellwechsel bereits im Februar oder März, oft buchstäblich an ihren mit Haaren bedeckten Ärmeln. Der Fellwechsel dauert häufig bis weit in den April hinein. Im Herbst findet die Fellwechselzeit typischerweise von August bis November statt. Manche Pferde beginnen früher mit dem Haaren als andere, abhängig von Faktoren wie der Geschwindigkeit des Fellwachstums und -wechsels, der Rasse des Pferdes, seinem Alter und seinem Ernährungs- oder allgemeinen Gesundheitszustand.
Bei älteren Pferden kann der Fellwechsel aufgrund gesundheitlicher oder hormoneller Probleme langsamer verlaufen, beispielsweise bei Cushing-Syndrom. Der Fellwechsel erfordert viel Energie und körperliche Ressourcen vom Pferdekörper und kann Pferde jeden Alters belasten. Ein glänzendes Fell, ein gesundes Aussehen und ein gut genährtes Pferd gehen oft Hand in Hand, weshalb die Fellqualität häufig als Indikator für das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit betrachtet wird.
Licht und Temperatur beeinflussen den Fellwechsel
Die Tageslänge und folglich die Lichtmenge beeinflusst die hormonelle Aktivität eines Pferdes und damit auch den Fellwechsel. Neben dem Licht spielt auch die Temperatur eine Rolle beim Haarwechselprozess. Das Hormon Melatonin, manchmal als "Dunkelheitshormon" bezeichnet, signalisiert dem Pferd im Herbst, dass es Zeit ist, mit dem Wachstum des Winterfells zu beginnen. Lichtrezeptoren in den Augen des Pferdes erkennen Veränderungen der Tageslänge und übertragen Signale an das Gehirn. Wenn die Tageslichtstunden kürzer werden, steigen sowohl die Melatoninproduktion als auch das Fellwachstum an. Das Fellwachstum ist im Herbst am aktivsten, wenn die Lichtverhältnisse abnehmen und die Temperaturen sinken.
Im Frühjahr wird Melatonin durch Prolaktin ersetzt, das den Wechsel des Winterfells auslöst und es durch ein leichteres Sommerfell ersetzt. Typischerweise beginnt das Haaren zuerst am Bauch und den Flanken.
Vom Haarfollikel zum Haar
Das Haar eines Pferdes besteht aus Keratinprotein. Das Haarwachstum bei Pferden erfolgt in drei deutlichen Phasen. Die erste Phase ist die aktive Wachstumsphase, in der das Haar selbst gebildet wird. An der Wurzel entwickelt sich eine kleine Haarstruktur, die allmählich länger wird. Die nächste Phase ist ein kurzes Übergangsstadium, in dem das Haarwachstum sich verlangsamt und das Haar "fertiggestellt" wird. In der letzten Phase stoppt das Haarwachstum vollständig und die Durchblutung des Haares hört auf. Die Haare bleiben an der Haut befestigt, bis neue Haare die alten herausschieben, wenn der nächste Fellwechselzyklus beginnt.
Der Fellwechsel kann mechanisch durch regelmäßige Fellpflege unterstützt werden. Das Bürsten fördert die Durchblutung der Haut und Haarfollikel und verbessert die Nährstoffversorgung der Haare.
Fellwechsel erfordert Ressourcen
Das Wachstum eines neuen Fells verbraucht viele Ressourcen des Pferdes. Derselbe Prozess gilt, wenn ein geschorenes Pferd neue Haare wachsen lässt. Die Menge und Qualität der Pferdenahrung beeinflussen direkt die Struktur, das Aussehen und die Farbe des Fells. Fellwechsel und Fellwachstum sind immer anspruchsvolle Prozesse für den Pferdekörper und können beispielsweise die Immunfunktion beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist es ratsam, während der Haarungszeit zusätzliche Ernährungsunterstützung zu bieten, um das Wachstum eines neuen Fells zu fördern.
Nährstoffe für Haut und Fell
Das Geheimnis eines schönen Fells kommt von innen, was bedeutet, dass die Pferd Fellwechsel Fütterung eine wichtige Rolle spielt. Die Ernährung eines Pferdes sollte ausreichende Mengen an Raufutter enthalten, qualitativ hochwertigen Ballaststoffe zur Unterstützung der Verdauung und oft etwas Vollkraft- oder Ergänzungsfutter, um den gesamten Nährstoff- und Energiebedarf zu decken. Eine ausreichende Ballaststoffaufnahme beeinflusst, wie effektiv das Pferd B-Vitamine und Biotin selbst produzieren kann – Nährstoffe, die auch beim Fellwechsel eine Rolle spielen.
Mineralstoffe, Vitamine und Fettsäuren haben alle einen wichtigen Einfluss auf Fellqualität und -wachstum. Die Zugabe von Öl zur Ernährung ist eine Möglichkeit, den Fellglanz zu erhöhen und die Hautgesundheit zu unterstützen. Öle stimulieren die Aktivität der Talgdrüsen der Haut, wodurch Talg das Haar umhüllen und seinen Glanz verstärken kann. Der Pferdekörper kann Mineralstoffe speichern, die dann während des Fellwechsels genutzt werden können, wenn der Mineralstoffbedarf höher als gewöhnlich ist. Daher wird empfohlen, die Aufnahme von Spurenelementen wie Zink, Kupfer und Selen während des Haarens zu erhöhen, zusammen mit B-Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren.
Zum Beispiel spielen Zink und Kupfer eine wichtige Rolle bei Fellfarbe und -struktur. Das Verblassen der Fell- und Mähnenfarbe oder schlechte Fellqualität können auf Mängel dieser Spurenelemente hinweisen. Die Ergänzung mit B-Vitaminen ist während des Fellwechsels ratsam, da die eigene Produktion von B-Vitaminen im Dickdarm nicht immer mit den erhöhten Anforderungen des Haarungsprozesses Schritt hält. B-Vitamine werden sowohl für die Hautzellen benötigt, aus denen Haare wachsen, als auch für den Transport von Nährstoffen in das Haar selbst. Alle vom Pferd benötigten essentiellen B-Vitamine sind in Bierhefe enthalten. Bei manchen Pferden kann der Fellwechsel aufgrund erhöhter Nährstoff- und Energieanforderungen Müdigkeit verursachen, und Omega-Fettsäuren können auch dabei helfen, das
