Wie wirkt sich der Stärkegehalt im Pferdefutter auf Darmgesundheit und Verhalten von Sportpferden aus?
Stärke ist ein nicht-struktureller (oder löslicher) Kohlenhydrat, der aus Ketten von Glukosemolekülen besteht. Pflanzen speichern Stärke als Energiequelle. Obwohl Getreide viel Stärke enthält, trägt fast alles, was ein Pferd frisst – einschließlich Grundfutter wie Heu – zur täglichen Gesamtaufnahme von Stärke bei. Im Dünndarm des Pferdes wird Stärke hauptsächlich durch das Enzym Amylase abgebaut, und der Körper nimmt Glukose in die Blutbahn auf. Bei gesunden Pferden löst der Anstieg des Blutzuckers die Bauchspeicheldrüse aus, Insulin freizusetzen, wodurch Glukose in insulinempfindliche Zellen wie Muskeln gelangen kann. Alle Pferde benötigen etwas Stärke, um Körperfunktionen und Arbeit zu unterstützen.
Die Rolle von Kohlenhydraten in der Fütterung war in den letzten Jahren eines der wichtigsten Ernährungsthemen. Das Thema wurde auch umfassend erforscht.
Stärke Pferdefutter und Darmgesundheit
Übermäßige Stärkeaufnahme kann die Verdauungskapazität des Dünndarms übersteigen, was bedeutet, dass ein Teil der Stärke in den Dickdarm gelangt. Dort beginnen Mikroben, sie schnell zu fermentieren und produzieren unter anderem Milchsäure. Dies kann zu einer Situation führen, in der das bakterielle Gleichgewicht des Darms gestört wird – einige Bakterien vermehren sich unkontrolliert, und faserverdauende Bakterien können absterben. Das Ergebnis können Verdauungsstörungen, Koliken und in schweren Fällen sogar die Auslösung von Hufrehe sein.
Wie viel Stärke ist also zu viel? Forscher sind sich einig, dass die Stärkemenge pro Mahlzeit unter 2 g pro Kilogramm Körpergewicht bleiben sollte (zum Beispiel sollte ein 500 kg schweres Pferd nicht mehr als etwa 2,2 kg Hafer pro Mahlzeit fressen). Ein vorsichtigerer Ansatz ist, diese Grenze zu halbieren: unter 1 g/kg/Mahlzeit kann auch das Risiko von Magengeschwüren reduzieren. Für sehr empfindliche Pferde und solche mit Stoffwechselrisiko liegt die Empfehlung unter 0,3 g/kg/Mahlzeit – dies erlaubt immer noch zum Beispiel 2,5 kg Portionen stärkearmer Kraftfutter.
Viele Stärkemengen, die Freizeitpferdebesitzer als "hoch" wahrnehmen, sind aus professioneller Sicht moderat. Bei gesunden Sportpferden können sie vorteilhaft sein, wenn das Ziel ist, Ausdauer bei der Arbeit zu unterstützen und die Muskelglykogenspeicher nach schwerer Anstrengung wieder aufzufüllen, um die Erholung zu fördern.
Stärke und Pferdeverhalten
Es gibt weniger Forschungsbeweise bezüglich des Verhaltens, und stärkebedingte Effekte variieren zwischen einzelnen Pferden. Es gibt eine physiologische Basis für die Idee, dass lösliche Kohlenhydrate "schnellere" Energie liefern, während Fett und Fasern "langsamere Brennstoffe" sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass süße, zuckerhaltige oder stärkehaltige Futter automatisch ein Pferd "aufheizen" oder dass fettreiches Futter automatisch ein Pferd ruhig macht.
Der wichtigste Faktor für das "Energielevel" eines Pferdes ist die Gesamtkalorienaufnahme. Je mehr Kalorien ein Pferd über seinen tatsächlichen Bedarf hinaus erhält, desto mehr Energie bleibt für Bewegung oder Gewichtszunahme verfügbar – unabhängig davon, ob diese Kalorien aus Kohlenhydraten oder Fett stammen.
Als allgemeine Richtlinie kann eine Erhöhung der Kohlenhydrataufnahme hilfreich sein, wenn das Ziel ist, Aufmerksamkeit und Schärfe zu steigern. Wenn das Ziel ein ruhigeres Gesamtverhalten ist, kann eine Erhöhung des Fettanteils eine gute Option sein, um den Gesamtenergiebedarf zu decken.
Zusammenfassung
Einige Pferde mit spezifischen Gesundheitsproblemen profitieren von einer stärkearmen oder sehr stärkearmen Ernährung. Gesunde Sportpferde vertragen jedoch – und können profitieren von – einer moderaten Stärkemenge in der Ernährung. Heute bewegt sich das Denken weg von Extremen und mehr hin zu einem "goldenen Mittelweg": Eine moderate Menge löslicher Kohlenhydrate in der Ernährung kann nützlich sein und ist nicht automatisch etwas, das vermieden werden muss.
Quelle: The Horse Magazine
